Büdingens grüne Herz | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Etwa 200 Interessierte bei Baustellenführung – Bau des inklusiven Spielplatzes beginnt bald

Büdingens grüne Herz

Es geht täglich voran: Vergangenen Donnerstag gab es für die Bürgerschaft während einer Baustellenführung in Büdingen erneut die Gelegenheit, sich die Fortschritte auf dem Gelände des neuen Stadtparks anzuschauen. Thomas Hellingrath, Geschäftsführer der Landesgartenschau Oberhessen 2027, war beeindruckt von der Resonanz. Annähernd 200 Bürgerinnen und Bürger bewegten sich auf frisch angelegten Wegen und zwischen den Pflanzflächen – deutlich mehr als im Frühjahr. Jüngere und Ältere waren dabei. „Das große Interesse zeigt, wie sehr der Park und die Landesgartenschau die Menschen bewegen.“ Und der bisherige heiße Sommer führe eindrücklich vor Augen, warum öffentliches Grün gerade in Städten immer wichtiger werde. Grünflächen und Bäume sorgen für ein positives Mikroklima und können mittelfristig die Umgebungstemperatur senken. Genau das soll der neue Stadtpark in der Nähe der historischen Altstadt, des Rathauses und der Willi-Zinnkann-Halle leisten. Hier entsteht eine grüne Insel. Das Areal wird Naherholungsfläche und Spielort sowie für Veranstaltungen nutzbar sein und der Natur Raum bieten.

Etwa 200 Interessierte nehmen am Rundgang über die Baustelle teil.

Insgesamt werden 100 sogenannte Zukunftsbäume gepflanzt. 14.000 Stauden sind zum großen Teil schon in den Regengärten im Boden, circa 7000 Stauden kommen in den neuen Klimahain am Seemenbach. Dabei setzt die Planung auf Pflanzen, die mit veränderten klimatischen Bedingungen zurechtkommen sollen. Verwendet werden Stauden mit einer großen Standortamplitude, die sowohl Trockenheit als auch zeitweise viel Wasser vertragen. Für die Bäume werden Büdinger Botschafter für die kommenden drei Jahre vergeben. Im „grünen Herzen“ soll im September ein wärmeliebender Blühsaum eingesät werden.

Wasser für trockene Zeiten

Wie der Park auf Wetterextreme vorbereitet wird, erläuterte LGS-Bauleiter Christopher Blos. Eine zentrale Rolle spielen die 15 über Rinnen verbundenen Versickerungsmulden der Regengärten und die Retentionsfläche in der Mitte des Parks. Die miteinander verbundenen Mulden nehmen Niederschlagswasser aus der Umgebung auf. So entsteht ein erhebliches Rückhaltevolumen. Überschüssiges Wasser kann vom Seemenbach aufgefangen und anschließend wieder abgeleitet werden.

Für das geplante Wasserspiel am Rathausplatz ist eine Zisterne mit Wasseraufbereitung vorgesehen, eine weitere am neuen Spielplatz. In der Nähe des neuen Spielplatzes wird ein Trinkwasserbrunnen aufgestellt.

Der sogenannte Loop, ein Rundweg durch den Park, wird barrierefrei gestaltet. Auch die ersten Teile des inklusiven Spielplatzes sind bereits aufgebaut. Ein Sonnensegel soll dort für Schatten sorgen. Der Spielplatz wird mit mehr als 126.000 Euro aus der Aktion „Stück zum Glück“ von Aktion Mensch gefördert. Das entspreche rund 66 Prozent der Gesamtkosten, berichtete Erste Stadträtin Katja Euler. Die Anlage wird ohne Sandflächen auskommen, dafür aber mit dem Rollstuhl oder Rollator befahrbar sein. Im Anschluss daran entsteht ein multifunktionales Spielfeld mit Basketballkorb und Calisthenics-Angeboten. Der Start der Bauarbeiten wird voraussichtlich im September sein. Gegenüber dem Spielplatz entstehen zudem zwei Bouleplätze. Entlang des Weges laden Hängematten und Sitzblöcke zum Verweilen ein, ebenso zwei Sitzterrassen am Seemenbach. Eine Treppe führt in den Bach. An der Willi-Zinnkann-Halle entsteht ein „Stadtsofa“, eine Bühne und Tribühne, die für kleine Veranstaltungen auf dem neuen Rathausplatz genutzt werden kann. Eine digitale Abholstation wird Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben, außerhalb der Geschäftszeiten des Rathauses zum Beispiel Pässe abzuholen. Die Zufahrt wird mit halbautomatischen Pollern ausgestattet, das Pflaster ist so ausgelegt, dass es auch Feuerwehrfahrzeuge trägt.

Park bleibt offen

Der neue Stadtpark wird rund um die Uhr geöffnet bleiben. „Der Park wird super werden, doch gibt es auch ein Konzept, um ihn vor Vandalismus zu schützen?“, fragte ein Besucher. „Jein“, antwortete Katja Euler. Ein fertiges Konzept gebe es dafür noch nicht. Vorrichtungen für Kameras seien vorhanden, eine Videoüberwachung könne jedoch nicht ohne Weiteres eingerichtet werden. Entscheidend sei deshalb auch, dass viele Menschen den Park nutzen: „Je mehr der Park von der Allgemeinheit benutzt wird, desto weniger haben diejenigen, die vielleicht Unsinn treiben wollen, freie Bahn.“

Und wann ist alles fertig? Darauf hatte Christopher Blos eine klare Antwort: „Auf jeden Fall zum 22. April 2027.“ Dann startet die Landesgartenschau Oberhessen.

Der Europabaum, eine Traubenkirsche, hat seinen Platz im neuen Büdinger Stadtpark gefunden.

Info-Kasten: Ein Baum für Europa

Einen besonderen Baum bekommt der neue Park schon im Vorfeld. Die Europa-Union Wetterau, zu der nun auch die Stadt Büdingen gehört, setzt damit eine Tradition fort: Während der Europawoche pflanzt sie jedes Jahr an einem geeigneten Ort in der Region einen Europabaum.

Johannes Fertig und der stellvertretende Vorsitzende Peter Bauch erinnerten daran, dass die Europa-Union eine überparteiliche Vereinigung ist. Die Europäische Union stehe für Frieden, Demokratie und Zusammenarbeit. Gerade weil Europa derzeit unter Druck stehe, müsse dieser Gedanke lebendig bleiben.

„Wir werden es nur gemeinsam gut schaffen“, betonte Bauch. Die Normalisierung von Krieg und Gewalt bezeichnete er als eines der größten Risiken. Mit ihren Baumpflanzungen wolle die Europa-Union deshalb ein sichtbares Zeichen setzen – und Europa ins Gespräch bringen.

Fotos: LGS